Referendarinnen

Rechtsreferendare können ihre dreimonatige Wahlstation beim Landesarbeitsgericht Köln ableisten und haben so die Möglichkeit, neben der Zivilstation ein zweites Mal in die Rolle des Richters zu schlüpfen.

Das Arbeitsrecht ist Teil des Privatrechts und beinhaltet eine Vielzahl von speziellen arbeitsrechtlichen Gesetzen. In prozessualer Hinsicht gilt das Arbeitsgerichtsgesetz, das große Teile der ZPO für anwendbar erklärt, jedoch auch einige Besonderheiten für das arbeitsgerichtliche Verfahren bestimmt. So lernt man im Rahmen der Wahlstation am Landesarbeitsgericht Köln die Unterscheidung zwischen Urteils- und Beschlussverfahren in vielfältigen Fallgestaltungen kennen. Neben den eine Vielzahl der arbeitsgerichtlichen Verfahren ausmachenden Kündigungsschutzstreitigkeiten, werden häufig auch Streitigkeiten zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber vor dem Arbeitsgericht ausgetragen, die insbesondere Rechtsreferendaren einen interessanten ersten Eindruck von der aktuellen Betriebsrealität geben. Von Besonderheit ist darüber hinaus auch, dass sowohl am Arbeitsgericht als auch am Landesarbeitsgericht eine Entscheidung grundsätzlich unter Mitwirkung zweier ehrenamtlicher Richter ergeht. Auch hier bietet die Wahlstation eine gute Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Richtern – jeweils einem Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter – kennenzulernen.

Zwei aktuelle Referendarinnen berichten über ihre Erfahrungen in der Wahlstation am Landesarbeitsgericht Köln:

„Während unserer Ausbildung am Landesarbeitsgericht Köln haben wir selbst Akten bearbeitet und Entscheidungsentwürfe vorbereitet. Diese konnten wir nicht nur mit unserem Ausbilder besprechen, sondern es bot sich uns auch die Gelegenheit, in der jeweiligen Vorbesprechung bzw. mündlichen Verhandlung/Anhörung die ehrenamtlichen Richter und die Beteiligten in den Sach- und Streitstand einzuführen. Aufgrund der besonderen Zuständigkeit der Kammer unseres Ausbilders haben wir darüber hinaus bisher eher weniger bekannte Materien wie die Rechtswegbeschwerde und das Amtsenthebungsverfahren bei ehrenamtlichen Richtern kennengelernt.

Uns wurde zudem ermöglicht, Güte- und Kammertermine des Arbeitsgerichts zu besuchen, wodurch wir einen umfassenden Eindruck von den verschiedenen Verfahrensarten, Sachverhaltskonstellationen und dem arbeitsgerichtlichen Instanzenzug erhalten haben. Anhand eines realen Falles vor dem Arbeitsgericht durften wir auch einen Aktenvortrag üben, sodass wir mehrfach unsere Fähigkeiten im mündlichen Vortragen trainieren konnten, die unmittelbar für die mündliche Prüfung relevant sind.

Insbesondere im Hinblick auf die Einführung der e-Akte aber auch die mit der Corona-Pandemie zusammenhängenden Schwierigkeiten, Präsenztermine durchzuführen, werden Richter vor neue digitale Herausforderungen gestellt. Während der Wahlstation am Landesarbeitsgericht Köln bestand für uns die Möglichkeit, das Layout und die Benutzung der e-Akte schon vor einer potentiellen Tätigkeit als Richterinnen in einem gesondert für Rechtsreferendare konzipierten Vorstellungstermin kennenzulernen. Zudem hatten wir die Gelegenheit, an virtuell durchgeführten Güte- und Kammerterminen teilnehmen zu können.

Schließlich wurden wir auch in aktuelle Themen wie die Stellungnahme des Landesarbeitsgerichts Köln zur JAG-Reform eingebunden und hatten die Chance, an einer Fortbildung der Justizakademie zum Arbeitsrecht in der Insolvenz teilzunehmen.“

Das Landesarbeitsgericht Köln bietet damit insbesondere Referendaren mit arbeitsrechtlichen Vorkenntnissen die Möglichkeit, die Wahlstation abwechslungsreich zu gestalten.

Bewerbungen sind bei Interesse an den Präsidenten des Landesarbeitsgerichts zu richten. Für weitere Informationen steht das Landesarbeitsgericht per E-Mail (katharina.borovicanin@lag-koeln.nrw.de) oder telefonisch (Frau Borovicanin, 0221 7740-307) zur Verfügung.